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Concerts

Event 

Title:
Orgelkonzert
When:
18.09.2010
Where:
Jakobi Kirche - Coesfeld

Description

Matinée St. Jakobi Coesfeld         Samstag, 18. September 2010, 11.00 Uhr

Amerikanische Orgelmusik

Programm

Horatio Parker        Festival Prelude
(1863 – 1919)        Revery
(aus Four Organ Pieces op. 66)

Charles Ives         Variations on “America”
(1874 – 1954)        Introduction - Choral
Variation I (Moderato)
Variation II (Andante) – Interlude
Variation III (Allegro)
Variation IV (Polonaise) – Interlude
Variation V (Allegro – Allegretto)

George Gershwin        Rhapsody in Blue
(1898 – 1937)        (Bearbeitung für Orgel von Rudolf Innig)

Rund 5000 junge amerikanische Musiker studierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, darunter allein 62 bei Josef Gabriel Rheinberger in München, der als einer der angesehensten Kompositionslehrer seiner Zeit galt. Zu diesen jungen Amerikanern zählte auch Horatio Parker, der ab 1882 ein dreijähriges Kompositionsstudium  bei „old Rheinberger“ absolvierte. Nach seiner Rückkehr in die USA wirkte er zunächst als Organist in New York und als Lehrer am dortigen National Conservatory, bis er 1894 an die Yale University in New Haven berufen wurde. Parker komponierte Opern, Oratorien, Kammermusik und – naheliegend für einen Organisten, der bei Josef Gabriel Rheinberger studiert hatte - einige Orgelwerke, darunter eine bedeutende Sonate in es – Moll. Seine Kompositionen sind von dem spätromantischen Geist der europäischen Musik geprägt, den er in München kennengelernt hatte. Das zeigt sich auch bei den beiden zu Anfang erklingenden „Charakterstücken für Orgel“, ein Genre, das sein Lehrer Rheinberger „erfunden“ hatte. Allerdings gibt es in Parkers Musik auch stilistisch individuelle Wendungen vor allem in Bezug auf seine Harmonik und Rhythmik, die in denen man die Anfänge einer eigenen, amerikanischen Musiktradition sehen kann.

Charles Ives zählt neben Samuel Barber, Aaron Copland und George Gershwin zu den bekanntesten amerikanischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Alle drei hatten keine unmittelbare Verbindung mehr zur europäischen Musik. Ives absolvierte zwar bei Horatio Parker an der Yale University ein Kompositionsstudium, ging aber schon in seinen ersten Werken eigene, unkonventionelle Wege. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurden vor allem seine sechs Sinfonien auch in Europa bekannt. Die Variationen über „America“ schrieb Ives im Alter von 18 Jahren. Die Melodie dieses aus England stammenden Liedes hat eine bewegte Geschichte. Im 18. Jh. „emigrierte“ sie in die USA, wo sie bis heute im Gottesdienst als „patriotisches Kirchenlied“ gesungen wird. Am Anfang des 19. Jahrhunderts avancierte sie mit dem Text „God save the Queen“ zur englischen Nationalhymne, ab 1871 hatte sie nun mit dem Text „Heil dir im Siegerkranz“ eine ähnliche Funktion im deutschen Kaiserreich. Es ist für uns deshalb kaum möglich, die Melodie im Sinne des Komponisten „unvoreingenommen“ als Kirchenlied wahrzunehmen. Die Musik selbst weicht zudem völlig von der hier bekannten Art einer Choralbearbeitung ab, jede Variation überrascht mit unerwarteten Klängen oder Rhythmen, in den „Interludes“ erprobt der junge Komponist erstmals (übrigens weit vor Strawinsky oder Milhaud) die von ihm häufiger verwendete Bitonalität. Insgesamt ein originelles, zum Teil auch sehr virtuoses Werk, das als Hörempfehlung den Hinweis „Fasten your seat belts“ verdient…  (Rudolf Innig)